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Posting im Angler-Forum

Nachdem ich wieder mit dem Angeln angefangen hatte, mußten 30 Jahre aufgeholt werden. Gerät und Methoden hatten sich schon ziemlich verändert. Das Mittel der Wahl ist in solchen Fällen das Internet-Forum. Nächtelang las ich, wochenlang kommunizierte ich, und lernte viel. Dann gingen mir die Forums-Angler zunehmend auf die Nerven. Undankbar, gewiss, aber ich mußte mir Luft machen. Böse Reaktionen blieben natürlich nicht aus, das gehört zum Spiel, klar. Hier nun so ein Posting:

 

Wenn man eine Sache zu grunde richten will, ist der kulturell hochwertigste Weg folgender: Man widmet sich eben dieser Sache mit dem größtmöglichen Enthusiasmus, man macht die Sache zum Lebensinhalt. Es klappt! Der Kommunismus ist an den Beton-Kommunisten gescheitert, der Radsport an Leuten wie Scharping und die tatsächliche Bedrohung der Demokratie geht wohl von wem aus? Genau, von den Über-Demokraten. Man kann das beliebig weiterverfolgen, z.B. kontakarieren militante Veganer die Sache des Tierschutzes und die konsequentesten Umweltschützer zerstören mit ihren vögelhexelnden Windkraftanlagen nicht nur die Landschaft, sondern auch noch den Himmel.

Wir sind in den 70ern angeln gegangen, weil wir Spaß daran hatten – mehr war nicht. Wir verschlangen die Bücher von Rudolf Sack und hielten die Hohlglasfiberrute für die größte Erfindung aller Zeiten. Wir waren zu dritt am Wasser und nur während der An- und Abangelveranstaltungen quatschte man mit mehr als fünf Angelkollegen. Ein gewünschtes „Petri Heil“ kam noch von Herzen.

Heute halten sich viele für nobelpreiswürdige Angel-Korriphäen, machen aus jeder neuen Methode eine fast esoterische Glaubenssache und fühlen sich wahnsinnig bedeutend, wenn sie ihre Fotos in peinlicher Selbstverliebtheit in irgendwelche Foren stellen können – zum Zwecke der allgemeinen Bewunderung, versteht sich. Einige bringen es auf drei Beiträge pro Tag im Durchschnitt. Und die Bewunderung bleibt auch nicht aus. Ein „dickes Petri auch von mir“ wird im Dutzend abgefloskelt. Dem Bedürftigen ist das egal, er ist auf dieses bigotte Gesülze angewiesen, und hält sich für den Größten. Das ist er natürlich nicht, denn die Handvoll wirklicher Profis in diesem Land nimmt nicht teil am Forenunfug. Es sind Männer mit normal kalibrierten Geschlechtsteilen, die sich nicht für jeden 80er Zander anonym feiern lassen müssen.

Verfolgt man über ein paar Wochen so einen Thread, dann beschleicht einen schnell ein durch und durch alberner Gedanke. Dass nämlich viele dieser selbstgekrönten Angelkaiser nicht etwa aus Freude am Angeln raus gehen. Nein, sie fischen fürs Forum! Da wird sich abgemeldet, "Geh dann mal los", und später folgt dann der glamouröse Auftritt, "Ging so, ein 74er wollte unbedingt mit“.

"Applaus, Applaus“ höre ich Kermit den Frosch schreien. Das alles hat mit Angeln nicht mehr viel zu tun, hier geht es um Selbstdarstellung, und das tut manchmal regelrecht weh. Ist hier Mitleid angesagt? Ich weiss es nicht. Und zu guter Letzt kommt nun noch die Politik ins Spiel. Angelnde Gesellschaftskritiker machen sich Gedanken über den Gehalt von "Gemeinnützigkeiten“.
9.2.08 21:19


Noch ein Posting

Hab meinen Vermieter kontaktiert und gefragt, ob ich eventuell im Gemeinschaftskeller ein Aquarium aufstellen könnte, Kaltwasser für Köderfische.
„Nein, ein klares NEIN, keine Haustierhaltung in meinen Häusern!“, hadder gesacht.
„Aber Fische sind doch keine Haustiere, Herr Pöring, die machen doch keinen Krach oder so“.
„Keine Diskussion!“, sein letztes Wort, und dann hab ich irgendwie im Eifer des Gefechts (ich erspar mir die Details) sein Hörgerät verschluckt.
„Sind Sie wahnsinng!!! Ausspucken! Sofort, ausspucken!“, schrie er noch lauter als üblich, weil er sich ja selbst nicht mehr hörte.
„Heeee, wo sind wir denn“, bollerte ich zurück, „ich hab´s verschluckt, das Ding, na und?“.
„Erbrechen, erbrechen Sie mein Hörgerät, augenblicklich!“.
„Wie kommen Sie mir denn vor, wa? Ich kotze nur an ungeraden Tagen, heute ist der 22ste! Wiedersehn“, und weil ein geordneter Rückzug wichtiger ist als die Schlacht, entfernte ich mich. Mein Vermieter ist pensionierter Feldwebel, vergaß ich zu erwähnen.
„Das ist Insubordination!“, brüllte er mir nach, „ich bringe Sie vor´s Kriegsgericht!“.

Na gut, ob ich nun noch vor Ablauf der Schonzeit an die Wand gestellt werde, bleibt offen …

 

9.2.08 21:22


Und noch ein´s

Gestern eine bedeutende Unterhaltung mit meiner Frisörin über die Ethik des Angelns gehabt. Wir kennen uns viele Jahre und unsere Gesprächspalette ist nicht eben klein. Das geht über den Beitritt Indonesiens zur EU und der richtigen Größe von Interdentalbürsten bis hin zur Anatomie der Röhrennase bei Sturmvögeln und der erhöhten Steinschlaggefahr in den Dolomiten. Ich möchte die Unterhaltung hier kurz (aufs Wesentliche reduziert) wiedergeben. Aus Datenschutzgründen nenne ich meine Frisörin „Frau Schere“ und mich „Herr Hecht“.

„Morning, wie gehts, bin ich schon dran?“.
„Ja, Herr Hecht, alles gesund, nehmen Sie ruhig schon Platz, hier bitte“, sachte Frau Schere, „Tass Kaff ?“.
„Ach nö, hab schon, Danke“.
„Wie solls werden, wie immer? Ohren frei?“, fragte sie.
„Jo, aber nich ganz so pfadfindermäßig wie im Sommer, da wollten die sogar beim Tanken meinen Ausweis sehn“.
„Gut, machen wir, etwas länger über den Ohren, ok. Was gibts Neues? Wie gehts den Hunden? Nächsten Urlaub schon geplant?“, brachte sie die Konversation in Schwung.
„Den Hunden gehts bestens, letztens Zahnstein gekratzt, kernige Burschen. Sommerurlaub wieder in der Eifel. Dieses 8 m-Panoramafenster in der Fewo ist nicht zu toppen! Vorher im Mai noch eine Woche, da ist die Schonzeit vorbei, da geh ich angeln!“.
„Neeeee, Sie angeln?! Und essen Sie die Fische auch?“, unglaubte sie.
„Klar angel ich, ich versuchs zumindest. Wenn ich mal einen fang, dann geht der fast immer zurück in die Fluten. Wir machen uns einmal die Woche Seelachs, der ist schon tot und schmeckt hervorragend“.
„Dann angeln Sie nur so, aus Spaß? Und die Fische, die werden doch verletzt“, bohrte sie.
„Ja … aber doch nur wenig, so ein Piekser mit dem Haken… Sie kriegen doch beim Zahnarzt auch mal ne Spritze, nech?“.
„Aber mein Zahnarzt spritzt mich doch nicht aus Spaß, und der lässt mich auch nicht lange anner Leine zappeln. Also nee, dass Sie angeln hätt ich nicht gedacht, ächt nich. Zu heiß?“.
„Nö, is gut so. Was heisst aus Spaß? Angeln hat doch auch ne lange Tradition in der Menschheitsgeschichte …“.
„Die hat der Stierkampf auch, finden Sie Stierkampf gut?“, sie war heute irgendwie anders.
„Das ist was anners, da gehts um Säugetiere mit hochentwickeltem Schmerzempfinden“, wandt ich mich, „und das hängt zusammen mit der Komplexität des Nervensystems und des Gehirns, das kann man nicht vergleichen“.
„Aber menschliches Handeln ist subjektiv“, sie rubbelte mir die Birne fester als sonst, „Gut und Böse, also das sind doch keine wissenschaftlichen Kategorien ... Denken Sie mal an Kannibalismus. Objektiv machts keinen Unterschied, ob Sie ein Hähnchen in die Röhre schieben oder im nächsten Karibikurlaub Ihre Frau ganz traditionell in die Suppe gehaun wird. Da möchte ich Sie mal hörn, wenn Ihnen dann einer mit dem Gerinnungsfaktor von tierischem Eiweiß kommt! Sie ham Schuppen“.
„Jaja, aber nur äußerlich. Frau Schere, Sie argumentiern heute Amok, find ich! Und selbst wenn so ein Fisch den Piekser als nicht ganz so angenehm empfindet und halt so n büschen zappelt – es ist und bleibt ein Fisch!“.
„Herr Hecht, Herr Hecht, wenns das Jüngste Gericht dann doch gibt, dann brauchen Sie aber n guten Anwalt. So einfach kann man das doch alles nicht sehn. Auch Fische sind Lebewesen, ob nun beseelt oder nicht, die quält man doch nicht hobbymäßig!“, trieb sie mich weiter vor sich her.
„Mann oh Mann, Jüngstes Gericht! Wissen Sie s denn noch nicht, Frau Schere, Gott ist tot – hat Nietzsche schon vor hunnert Jahren verkündet!“.
„Ach, was Sie nicht sagen, Nietzsche! Der is doch durchgedreht, hat einem Pferd am Hals gehangen und „Bruder!“ gewimmert, jaja. Und der Europäische Nihilismus war gut? Die Schlacht um Verdun, Stalingrad … war alles gut?“, offensichtlich hatte sie ihr Visir nun runterklappt.
„Was ist denn Nihilismus?“, versuchte ich zu beschwichtigen, „eben hats geziept …“.
„Entschuldigung, kann passiern. Hamse mal Sartre gelesen, Das Sein und das Nichts? Aber Existentialismus ist doch ein Begriff, oder?“.
„Logisch, Camus, de Beauvoir …“.
„Gut, Herr Hecht, nachher die Augenbrauen auch kürzen?“.
„Ja, bitte“.
„Wenn Gott tot ist – dann ist alles erlaubt! Und das wolln Sie. Und kommse mir jetzt nich mit Viehtransporten, Tierversuchen und Treibnetzen, nönö, jeder trägt die Verantwortung für sein Tun, moralisch mein ich, da is nix mit Rumargumentieren!“, sachte sie.

Merde, dachte ich, verdammt! Ich hatte den Grenzstreifen meines oberflächlich angelesenen Halbwissen längst verlassen – ich stand mitten im Minenfeld meines eigenen Intellekts! Und sie hatte mich am Kanthaken, hatte dieses fast post koitale Lächeln der Überlegenheit …

„Ja, gut, liebe Frau Schere, aber die Existentialisten ham die Welt och nich gerettet …“, und nun fiel mir ein Sportsfreund ein, der seine Ahnungslosigkeit gern mit einem Standardsatz zu kaschieren versucht, ich kopierte: „Weshalb man Sartre wohl auch nich´ immer glauben darf “.
„Mal bitte die Augen zu, Danke. Moment noch. So, bittesehr, kurz genug? Neunzehnfünfzig“, sie ließ meine Blödität an sich abperlen, „dann bis zum nächsten Mal, Herr Hecht, und das mit dem Angeln müssense sich noch mal durchn Kopf gehen lassen“.
„Gut, mach ich, bis zum nächsten Mal, dann werden wir meinen Hornfäden wieder die Grenzen des Wachstums zeigen, nech, Tschüß!“.

 

 

9.2.08 21:25


Einen noch

Hatte mir bei Amazon ein Kunstbuch bestellt und eben aus der Packstation Utbremer Straße abgeholt. Da ich zum Wenden nicht bis zum Piccadilly Circus durchfahrn wollte, überfuhr ich dreist die durchgezogene Linie, wie immer. In der Grenzstraße spiegelte dann der Rückspiegel eines dieser kleinen blauen Polizeiautos mit rot blinkender Leuchtschrift.
„Oh, wie nett“, dachte ich, „wie feierlich“. Und da es zu dieser Zeit ausser den Girlanden prächtigster Polypen in meinen Nasennebenhöhlen nix Feierliches gibt, genoß ich die roten Birnchen. An ein Lesen der Schrift war ohne Brille nicht zu denken. War auch nicht wichtig, und so tuckerte ich unbeeindruckt weiter, den alten Mike-Krüger-Song summend: „Nachtblind, übermüdet, fahr ich mit 40, linke Spur …“.
Irgendwie teilten aber die freundlichen Helfer meine gute Laune nicht und rauschten ziemlich unsensibel dicht auf. Nun konnte ich die Leuchtreklame lesen: STOP.
„Also gut, Jungs,“ nuschelte ich mir zu und stellte die Kopfstütze einen Hauch höher, „l' État c'est moi – laß fallen Anker!“.

Obwohl mich die Polizeifrau in Gestus und Gehabe mehr an eine Aushilfsdomina erinnerte, kam dann doch ein zärtliches Gefühl in mir auf – als ihre Authorität diesen so wohltuenden Knacks bekam … beim Protokollieren des eigenen Auffahrunfalls. Tja, nobody is perfect, nech.

Später, beim Blättern im Kunstbuch, stieß ich auf Dali, Salvadörchen, und sein Gemälde „Der Thunfischfang“. Ein mörderisches Ding, ährlich! Ich hängs mal ran, vergrößert erkennt man mehr.

„Kuck Dir das mal an“, nötigte ich meine Frau, aber die stand noch im obligatorischen Kopfstand am Ende jeder Yoga-Session.
“Geht jetzt nich, was is denn zu sehen?“, die gepresste Antwort.
„Naja, Himmel, Meer und Möwen, Thunfische, und Kerle wie hautüberzogene Granitblöcke“, dozierte ich, „und das ewige Lied vom Sterben, diesmal besonders schrill gesungen …“
„Ach, Gott, immer dieser Machokram. Der Dali hatte doch sowieso einen am Leuchter, oder? Lebt der eigentlich noch?“.
„Nee, aus dem sind die Würmer längst wieder raus“.
„Na, dann bin ich beruhigt“, lästerte sie. Komisch, sogar im Kopfstand verliert sie nie den Überblick, aber das Gemeinste kam noch.
„Der blöde Dali hätte ja deine Stintefänger am Weserbahnhof mal malen können, nä, wie sie mit der Senke im Anschlag am Geländer hängen. Viel Farbe hätte der da auch nicht verbraucht, bei den Feinschmeckern in Wehrmachtspelle oder Hartz 4-Blazer, Klamotten oliv, Spundwand grau, Gesichtsfarbe auch, nur die Stinte sind bunt, oder, bläulich, nech?“, lief sie zur Höchstform auf.
„Läster Du nur“, schleuderte ich zurück, „sach mal, ist bei der Übung eine gewisse Relation von Halsdurchmesser und Hüftumfang nicht von Belang?“.
„Du solltest auch mal was machen, auch für alte Männer ist ein gekräftigter Beckenboden von Vorteil – ich sage nur: Prostata!“, parierte sie.
„Nö, keine lebensverlängernden Maßnahmen, wozu hab ich eigentlich die Patientenverfügung gemacht? Die Welt rauscht in die Grütze und ich sitz da mit einem Beckenboden wie ne Fiberglasmatte und summe die Nationalhymne, was?“, gab ich zu bedenken.

Sie rollte gekonnt ab, stand wieder auf den Füßen. „Zeig mal, das Bild mit der Thunfischdose. Au Backe, so ein Mist! Männlichkeit im Wandel der Zeit, schlimm, schlimm!“.
„Sach mal, mein Hamster, ich hab doch im letzten Jahr nur drei Fische gefangen, nech, zwei gute Barsche und den 50er Aland. Mit annern Worten: ich hab versagt, da lachen doch die Fische – und Du? Ich meine, wie findest Du mich … als Angler ... und als Mann … ein Mann, ein Wort, ein Fisch … verstehst, was ich meine?“.
„Aber, mein Tapir, als Angler find ich Dich sehr tierlieb, gefällt mir. Und als Mann? Weisste doch, haste doch früher immer selbst gesagt: Es gibt keinen falschen Mann im richtigen Kondom. Na siehste, alles im grünen Bereich, mach Dir keinen Kopp, bin ja froh, dass Du nicht auf die Jagd gehst. Hin und wieder ein Fischlein … füttern …“, grinste sie mir ins Antlitz. Und so neigte sich der Tag seinem Ende.

Hier: http://www.ar.wroc.pl/~zimny/dali/d3.jpg

9.2.08 21:31


Blöde Frage

Anfrage eines Anglers: "Ich hoffe, dass ihr ein paar Tips habt für einen Hund, der gerne angeln geht".

Also, Tombi, ich weiß ja nicht, wie ernst Du´s meinst … aber falls Du´s ernst meinst mit einem Hund, dann möchte ich Dir was dazu sagen, ok?

Anders als beim Angeln funktioniert das „learning by doing“ im Umgang mit Hunden überhaupt nicht! Warum nicht? Wenn man mit dem Angeln anfängt und keine oder wenig Ahnung hat, dann macht man ne Menge Fehler: Man kauft preisgünstiges Gerät und stellt später fest, dassis Mist ist und kauft noch mal. Man angelt im falschen Gewässer an den falschen Stellen mit den falschen Methoden und hat wenig Erfolge. Man macht dann seine Erfahrungen, lernt daraus und kann seine Fehler korrigieren. Nach zwei, drei Jahren klappt´s dann ganz gut.

Bei Hunden klappt das so nicht, GAR NICHT! Paar Beispiele: Du kaufst Dir einen Hund, der wesensmäßig nicht zu Dir und Deinem Umfeld passt. Du kaufst ihn bei einem schlechten Züchter zum günstigen Preis. So. Nun haste einen unglücklichen, kranken und schlecht sozialisierten Hund – diesen Fehler kannste nicht mehr korrigieren!

Weiter: Du machst in den wichtigen ersten drei Monaten nachdem Du Dir den acht Wochen alten Welpen ins Haus geholt hast, die verbreiteten elementaren Fehler. Weil Du wenig Ahnung und wenig Zeit hast, wird der kleine Hund nicht angemessen in sein späteres Leben „eingewiesen“. Ein Stadthund muß mit Verkehrslärm etc. umgehen lernen, mit Menschengewimmel (am Samstag in der City), mit Treppen, verschiedenen Untergründen, er muß lernen in der Pizzeria ne Stunden ruhig unterm Tisch zu liegen oder mit dem Fahren in öffentlichen Verkehrsmitteln klarkommen, und und und. Ein Landhund muß andere Sachen lernen, keine Hasen und Hühner jagen, auf Trecker aufpassen usw. Ein Hund, der in seinen ersten Lebensmonaten keine Straßenbahnfahrten kennengelernt hat, wird immer unsicher sein oder ängstlich, und das kannste auf alles übertragen. Du hast vielleicht schon mal von den „Labor-Beageln“ gehört, die von der Welt da draussen nix mitgekriegt haben. Die müssen dann als erwachsene Hunde die banalsten Dinge lernen und bleiben ihr Leben lang unsicher und ängstlich. Also gut, Du hast die ersten drei Monate wenig Zeit gehabt … und hast nun so einen „Labor-Hund“ – das kannste nicht mehr korrigieren!

Weiter: Weil Du wenig Ahnung hast, geht Dein Hund nicht so exakt bei Fuß, wie Du gern möchtest (warum auch? Wie soll ein Hund begreifen, dass es wichtig ist, mit der Nase zentimetergenau auf Kniehöhe seines Herrn zu gehen?). Und in Deiner Ungeduld fängste an zu schimpfen und an der Leine zu rucken. Das machste eine Woche so und hast dann einen Hund, der ungern mit Menschen kooperiert und zusammenarbeitet – Du hast nun einen Hund, der zwar bei Fuß geht, aber mit hängendem Kopf und eingeklemmter Rute, weil er ja immer damit rechnet, aus seiner Sicht völlig willkürlich wieder diesen mörderischen Ruck in die Halswirbelsäule zu kriegen. Das kannste nicht mehr korrigieren.

Ich könnte diese Reihe noch lange fortführen – aber Du wirst längst begriffen haben, was ich ausdrücken will. Es hat seine Gründe, warum in diesem reichen und tierlieben Land die Tierheime aus allen Nähten platzen. Und wenn ich´s etwas ketzerisch formulieren darf: Einer der Hauptgründe äußert sich in der Frage 
„Ich hoffe, dass ihr ein paar Tips habt für einen Hund, der gerne Angeln geht“.

Lieber Tombi, Du MUSST Dich vorher, bevor Du Dir einen Hund kaufst, ausgiebig informiert haben. Und zwar geht´s nicht um irgendwelche hochtrabenden Erkenntnisse über Caniden im Allgemeinen, Rangordnung im Wolfsrudel und so, nee, Du musst Dir eine Beurteilungsgrundlage schaffen – damit Du einen guten von einem schlechten Züchter unterscheiden kannst, damit Du eine gute von einer schlechten Hundeschule unterscheiden kannst (mindestens sieben von 10 sogenannten Hundeschule kannste inner Pfeife rauchen, die verdienen gut mit „Leuten wie Dir“ -is nicht bös gemeint-, aber die Hunde ham nix davon), Du musst auch einen guten von einem schlechten Tierarzt unterscheiden können und Du musst einschätzen können -und zwar selbstkritisch!-, ob ein Hund wirklich die nächsten 15 Jahre in Dein Leben passt, auch wenn´s regnet, wenner mal krank ist oder alt und klapprig wird, und man die letzten zwei Jahre mit ihm nicht mehr in den Urlaub fahren kann und darum selbst auch nicht!

Nun zu Deiner Grundfrage: Welche Rasse? Wenn Du Dich in den kommenden Monaten eingehend mit Hunden befassen wirst (ich hoffe das sehr! Und nachher sag ich Dir die drei Bücher, die Du dazu brauchst) - nebenbei bemerkt dauert es neun Monate, bis ein Mensch geboren wird, eine gute Zeit auch für die Vorbereitung auf einen Hund-, wenn Du Dich also ausgiebig befasst hast, dann wird sich die Frage nach der Rasse oder ob es überhaupt ein Rassehund sein soll, nicht mehr stellen – dann WEISST Du, welcher Hund zu Dir passt!

Es gibt Männer mit kleinem Ego und vermutlich auch einem kleinen Penis (hahaha), die brauchen einen Riesenschnauzerrüden, logo! Nach anderthalb Jahren ist der Rüde erwachsen und weiß längst, dass er von Idioten umgeben ist, denn Hunde sind hochkomplexe Sozialwesen, die kann man nicht belügen, die durchschauen jede Aufgeblasenheit. Und eines Tages wird dann der besagte Riesenschnauzerrüde seinem Herrn ganz direkt und lange in die Augen blicken, und nicht blinzeln. Und dann wird er die linke Leftze leicht zuckend anheben. Und sein Herrchen wird einen zweieinhalb Zentimeter langen, schneeweißen Fangzahn aufblitzen sehen, und von da an wird klar sein, WER Herr im Haus ist! Natürlich landet der Rüde im Tierheim … Herdenschutzhunde, Huskies oder hochspezialisierte Jagdgebrauchshunde für den Hausgebrauch zu halten ist ein Verbrechen! Ein Züchter, der Bordercollies an normale Leute (kleine Wohnung, kleine Kinder, wenig Zeit und keine Ahnung) abgibt, gehört mit Benzin übergossen und angezündet!

Ein zufriedener Hund braucht drei, nur drei Dinge: Bewegung, Führung und Zuneigung. Und zwar in genau dieser Reihenfolge und Gewichtung. Millionen Jahre Evolution haben Wolf und Hund (den seit 15 Tausend Jahren) zu Hochleistungssportlern gemacht, zu Hetzjägern mit großer Ausdauer, is ja bekannt. Selbstverständlich braucht ein kleiner Hund weniger Auslauf als ein großer. Ich hab zwei mittelgroße (ca. 18 kg bei 50 cm), die sind täglich im Schnitt zweieinhalb Stunden oder am Rad 20 km unterwegs. Was Zuneigung ist, muß nicht weiter erklärt werden und was unter „Führung“ zu verstehen ist, das erarbeiteste Dir am Besten selbst!

Die drei Bücher (es gibt hunderte, diese drei sind die brauchbarsten, kompetentesten):
Günther Bloch, Der Wolf im Hundepelz
Anton Fichtlmeier, Grunderziehung für Welpen
Heinz Weidt/Dina Berlowitz, Spielend vom Welpen zum Hund (wird nicht mehr aufgelegt, bei Amazon gebraucht zu kaufen, ziemlich teuer und sehr wichtig!)

So, Tombi, hoffentlich bleiben Deinem Hund die schlimmsten Fehler erspart … Gruß Ralf

 

9.2.08 21:44


Schlechte Nacht

Oh mein Gott, so eine bescheidene Nacht, kaum geschlafen. Und warum? Hier ist der üble Täter:

Mittelschnauzer, genannt "Gurke". Gegen 1 Uhr morgens kriegte sie einen Schluckauf. Die große Holz-Schlafkiste für die Hunde steht selbstverständlich bei uns im Schlafzimmer, wo sonst? Dann fing sie also an zu hicksen. Hicks ... Hicks ... Hicks ... Minutenlang. Geht vorbei, dachten wir im Halbschlaf, geht vorbei.

Hicks ... Hicks ... Hicks ...

Der zweite Hund, Entlebucher "Emmi" stieg dann aus der Kiste aus, ging ins Wohnzimmer, hatte die Schnauze voll!

Hicks ... Hicks ... Hicks ...

Ich bin dann hoch, in die Küche, "Gurke" hinterher, ein Stück Brot, lecker, und vielleicht hilft´s, hoffte ich.

Half nicht, Hicks ... Hicks ... Hicks ...

"Ahhh, der blöde Hund", nuschelte meine Frau (meintse natürlich nich so), "soll ich ihr die Notfalltropfen von Silvester geben?".

"Das geht gleich vorbei, Moment noch, schlaf doch weiter, mein Engel".

Irgendwann war´s wirklich vorbei, kein Hicks mehr. Wunderbar! Gerade eingeschlafen wurde ich erneut wach. Fred Astaire steppte über den PVC-Belag! "Gurke" hatte sich vor Jahren mal die Bänder einer Zehe gerissen, und die Zehe war schief angewachsen, was nicht unnormal ist, denn man kann eine Hundezehe schlecht eingipsen, logo. In den annern hatse bisschen Arthrose, naja, mit fast 13 Jahren auch nicht unnormal. Jedenfalls setzt sie ihre Vorderfüße ambitionierter auf als andere Hunde, und auf PVC oder Laminat oder Parkett macht das: Klack ... Klack ... Klack ...

Es war gegen 3 Uhr morgens und mein Schnauzer verspürte, offensichtlich durch´s nächtliche Brotmahl angeregt, Appetit. Sie trippelte zwischen Schlafzimmer und Küche hin und her, Klack ... Klack ... Klack ...

"Geh jetzt in die Kiste, Du kriegst nix, ab jetzt, Schluß und AUS!", donnerten wir ihr entgegen, nun leicht gereizt. Sie schlich in die Kiste, legte sich auch hin, wunderbar. Nach ein paar Minuten drang ein Geräusch aus der Kiste, erst ganz leise, dann etwas lauter, dann penetrant! Sie winselte, atmete gepresst, sie weinte. Oder wollte sie uns um den Verstand bringen? Möglich.

Nach weitern Zurechtweisungen inklusive diverser Kraftausdrücke, die ich hier nicht wiederholen will, trat dann eine Art von Ruhe ein. Es war gegen 4 Uhr morgens. Eine Stunde später wurden wir ein letztes Mal für diese Nacht aus den Alpträumen gerissen: Blaumeise! Wir haben auf unserem Balkon einen Meisenkasten, einen Nistkasten aus Holzbeton mit drei Einfluglöchern, der letzte Schrei. Der hängt in der Ecke an der Schlafzimmeraussenwand. Jedesmal, wenn ein Vögelchen ins Loch fliegt, und das machen unsere Meisen im Affentempo, virtuos kurz am Lochrand landen und Zack rein. Dieses Landen macht ein leises Tick ...

Gut, ich bin dann aufgestanden und hab Frühstück gemacht, Honigbrote, Bananen, Birnen, eine Mango und Milchkaffee. Die Sonne zeigte sich, ein herrlicher Tag stand uns bevor.

10.2.08 14:03


Der Balkon-Hund

Brief an das zuständige Amt. Nach einigen Wochen schrieb ich weitere Briefe an verschiedene Ämter. Bis heute hat sich nichts geändert an der Lage, "es sind einem die Hände gebunden", so die Aussage.

Guten Tag,

in meiner nächsten Nachbarschaft wohnt seit vielen Jahren Herr Sch., den ich vom Sehen (und Erleben) her kenne. Herrn Sch. empfinde ich als einen bösartigen, auf allen Ebenen menschlichen Seins kranken Mann, der vom sozialen Verhalten und den Leberwerten her den Bereich der Tolerierbarkeit längst verlassen hat. Dieser Mann ist mir gleichgültig, vollkommen gleichgültig. Ich würde ihn nicht einmal ignorieren, hätte er nicht einen Hund. Einen mittelgroßen Mischling, nach seinen eigenen Bekundungen ein Kampfhundmischling. Und in der Tat meinte auch ich im Junghund einen Staffordscher Einschlag zu erkennen.

Dieser Hund ist ein überaus bedauernswerter Hund. Nach meinen langfristigen Beobachtungen wird dieser Hund in keinster Weise auch nur annähernd artgerecht gehalten. Ich selbst habe seit über 25 Jahren Hunde; mein Verhältnis zu Tieren ist liebevoll und angemessen – nicht sentimental. Meine Einschätzungen (und mein Empören) begründen sich auf einer durchschnittlichen Hundehaltung im Deutschland des 21. Jahrhunderts, und die ist nicht zuletzt auch in Verordnungen geregelt.

Zweifelsfrei fest steht: Herr Sch. ist aufgrund seiner körperlichen Verfassung und motorischer Intaktheit für jeden klar erkennbar nicht in der Lage, einen Hund dieser Größe zu führen . Herr Sch. hat schon beim „normalen“ Gang um den Block große Schwierigkeiten, von seinem mäßig an der Leine ziehenden Hund nicht umgeworfen zu werden. Fortwährendes Leinerucken (meistens von Flüchen begleitet) zwingen dem Hund das Tempo eines stark geh- und motorikgestörten Alkoholkranken auf, der sich ostentativ den Arm mit einer Blindenbinde schmückt (da die Alkoholkrankheit derart offensichtlich ist, nehme ich mir die Freiheit, das hier so ungeschönt zu benennen). Kommt es zu Begegnungen mit anderen Hunde muß sich Herr Sch. schleunigst ein Straßenschild zum Umklammern suchen und in solchen Situationen schlägt er dann auch auf seinen Hund mit dem hinteren Ende der Leine ein oder versucht durch an Raserei grenzendes Rucken der Lage Herr zu werden.Dieser Hund ist während der vielleicht 4, 5 Jahre seines erbärmlichen Lebens  mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nie eine längere Strecke als 200 m am Stück gegangen. Denn der Hund läuft nie frei, er hört auf kein Kommando, er hat keine Bindung zum „Halter“, er hat kein Verhältnis zu Artgenossen, er hat kein Verhältnis zum Leben an sich, denn das wurde und wird ihm auf schlimmste Weise vorenthalten.

In Gesprächen mit den tierliebenden Nachbarn wurde klar: der Hund von Herrn Sch. hat einen täglichen Auslauf von 10 Minuten, d.h. einmal meist vormittags um den Block. In seltenen Fällen habe ich den Hund nachmittags gesehen. Einigkeit herrscht darüber, dass der Hund sehr oft über mehrere Tage überhaupt keinen Gassigang hat. Der Hund lebt auf dem Balkon. Man sieht ihn über die Brüstung schauen, man hört ihn Passanten und Autos anbellen – was soll er anderes machen? Der Ausblick vom Balkon ist sein Leben.

Wie mir zu Ohren kam, ist vor einiger Zeit dem Veterinäramt Mitteilung über die unhaltbaren Zustände dieser Haltung gemacht worden. Das Amt ist wohl auch tätig geworden. Nach meiner Information kam dabei die Auflage an Herrn Sch. heraus, zumindest dafür zu sorgen, dass sein Balkon-Hund in glühender Sonne oder bei eisigen Wintertemperaturen die Möglichkeit haben muß, sich durch die geöffnete Balkontür in die Wohnung zu flüchten. Zugegebenermaßen steht nach meinen Beobachtungen die Balkontür häufig einen Spalt offen – aber bei weitem nicht immer. Wenn der Hund über die Brüstung schaut ist allerdings von unten nicht erkennbar, ob er nicht doch kurz angeleint ist. Bei derart unterbemessenen Gassigängen wird der Hund sich auf dem Balkon lösen müssen, denn verdauen wird er noch.

Die ihm kritisch begegnenden Nachbarn (überwiegend selbst Hundehalter) wurden und werden von Herrn Sch. verbal bedroht. Er würde ihre Hunde allemachen, aus dieser Richtung kommt seine Kommunikation. Meine Frau (in Begleitung unserer beiden Hunde) wurde kürzlich bei einem Zusammentreffen vor unserer Haustür mit der Aussage bedacht: „Hau ab, dumme Pute, sonst lass ich meinen von der Leine, und weißt ja, was da drin steckt …“

Die Drohungen haben bedauerlicherweise ihre Wirkung. Einige Nachbarn scheuen vor einer offenen Auseinandersetzung mit Herrn Sch. zurück. Im Falle einer sich abzeichnenden Lösung zum Wohle des Balkon-Hundes denke ich allerdings, die betreffenden Nachbarn dennoch zu einer Aussage bewegen zu können. Meine Frau und ich sind zwar resistent den Großmäuligkeiten des kranken Herrn Sch. gegenüber. Das Schreckgespenst einer Rache in Form vergifteter Hundekekse verschwindet allerdings nie ganz … Inwieweit der Hund schon verwahrlost ist, wird das Veterinäramt besser und kompetenter beurteilen können als ich aus der Distanz.

Gestatten Sie mir einen vielleicht sentimentalen Schlussabsatz. Komme ich mit meinen Hunden vom Gang an der Weser zurück, dann schaut meistens der Balkon-Hund herunter und bellt beim Anblick meiner Hunde, nicht bösartig, eher verzweifelt. Ich gönne ihm diese Lebensäußerung von ganzem Herzen, mehr Möglichkeiten hat er nicht. Vor einigen Tagen schaute er wieder herunter, aber er bellte nicht mehr. Und als ich nachts nicht schlafen konnte, fragte mich meine Frau: „Denkst Du wieder an ihn?“. „Ja, ich glaube, er hat aufgegeben, er bellt nicht mehr, er wird sterben“. Und dann setzte sich ein Gedanke in meinem Kopf in Bewegung, erst langsam kreisend, dann laut pochend und schließlich dröhnte dieser Gedanke in meinem Schädel, wie die Domglocken zur Ostermesse:

RETTE DIESEN HUND; DU MUSST DIESEN HUND RETTEN; RETTE IHN!

12.2.08 08:25


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