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Nur Fliegen ist schöner

  

Es war das Jahr 1973. Waffenstillstand in Vietnam, Willy Brandt in Israel, Kissinger wurde US-Aussenminister und Günter Netzer wechselte zu Real Madrid, Film des Jahres: „Der Clou“ mit Robert Redford. Wirklich wichtig war allerdings nur eine Begebenheit: Mein erstes Auto!

Ich machte Fahrschule... fahren konnte ich längst, und wie. An den Wochenenden des letzten halben Jahres war ich mit meinem Vater angeln. Er hatte eine Sondergenehmigung besorgt. Wir beangelten einen Kühlwasserauslauf auf Firmengelände, ein riesiges Firmengelände, Hafennähe. Ich war 17 und fragte ihn irgendwann, ob ich nicht mal mit dem Auto ein bisschen rumfahren könnte (denn auf Privatgrund geht das ja). Er stimmte zu. Und so fuhr ich an den Wochenenden Auto, er angelte. Wie ein Berserker muß ich über die Feldwege und Rampen gerast sein. Warum „mein Alter“ einfach gelassen weiter Brassen gestippt hat, während ich das Familienauto zu Schrott fuhr, ist mir noch heute ein Rätsel, aber es war so: Er angelte, ich absolvierte die Rallye Dakar. Wir hatten einen 1700er Opel Rekord mit Lenkradschaltung. Etwas später dann einen Ascona – den Rekord zu flicken hatte sich wohl nicht mehr gelohnt.

Wenige Wochen vor der Fahrprüfung stand für mich mein erstes Auto fest: Ein Opel GT sollte es werden, klar. Zu einer Zeit, in der ein Heckscheibenwischer mehr Aufsehen erregte als 25 Jahre später das Gladbecker Geiseldrama, war der GT der blanke Irrsinn. 90 PS, 200 Spitze, Schlafaugen. Ich holte mir einen der legendären Prospekte: Nur Fliegen ist schöner! Und erklärte meinem Vater, worum es mir ging. Seit einem Jahr im Beruf hatte ich 4500 Mark auf dem Sparbuch.

„Junge, wie soll ich das Deiner Mutter beibringen? Das macht die nicht mit …“, sinierte Pa.
Naja, so eine Mutter sah natürlich ihr Söhnchen im roten Rennwagen schon am nächsten am Baum kleben, war klar, aber ich wollte den GT, unbedingt - ein R4 mit Gardinen an den Scheiben kam nicht in Betracht, überhaupt nicht.
„Gib mir mal zwei Tage Zeit“, sagte mein Vater, „ich will mal sehn, was ich tun kann“.
Nach zwei Tagen gab er mir nach dem Mittagessen durch hoffnungsfrohes seitliches Nicken des Kopfes ein Zeichen und ich verstand sofort: Mutter war sturmreif! Jetzt keinen Fehler machen! Ich ging zu ihr in die Küche, mit einer Flasche Schlehenfeuer und dem GT-Prospekt.
„Kuck doch, Mama, ist der nicht niedlich? Und man muss ja nicht rasen. Und gute Bremsen hatter auch“, gab ich mein Bestes.
„Ach, Junge, wie issis denn mit so einem Ford Capri? Der ist nicht so niedrig …“, versuchte nun Ma ihr Bestes.
„Mama, diese blattgefederte Proletenschleuder? Niemals!“, ich setzte alles auf eine Karte, „entweder den GT oder ich will überhaupt kein Auto, dann hör ich mit dem Führerschein eben auf“.

Zwei Wochen durchstöberten mein Vater und ich schon den Gebrauchtwagenmarkt in der Tageszeitung, dann stand er da: Opel GT, rot, anderthalb Jahre alt, knapp 40 Tausend gelaufen, 6500 Mark – das war er! Und er wurde es auch. Pa bezuschusste mich mit zwei Riesen und dann stand der Rote vor der Tür! Aber ich hatte den Führerschein noch nicht. Nicht enden wollende drei Wochen standen mir bevor, unerträgliche drei Wochen! Aber dann!!! Die kommenden Monate wohnte ich quasi im Opel … Der GT war das unpraktischste Auto schlechthin: Kein Kofferraum, nur Platz für eine Reisetasche hinter den Sitzen. Bei Nässe waren die 90 PS kaum auf die Straße zu kriegen und der Heckantrieb in Verbindung mit der Starrachse machten schnelle Kurven zu einem Erlebnis – Powerslide nannten wir das damals! Mann, machte das Spaß, was für ein Auto! Mit aufgeklappten Schlafaugen gehörte einem bei 200 Sachen die Straße. Was sag ich: Die Welt! Wochenendtouren über die Dörfer lösten bei der Landbevölkerung offenstehende Münder und Stielaugen aus. Ach ja, man müsste noch mal 20 sein … (oder besser doch nicht).

Drei Jahre fuhr ich ihn, und überlebte. Dann änderten sich meine Lebensumstände und ich verkaufte ihn, relativ unsentimental. Mit dem Angeln fing ich erst 30 Jahre später wieder an.

16.2.08 14:32
 


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