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Tag der Offenen Tür

„Du“, sagte meine Frau, „da gehen wir hin!“. „Wohin, Liebes?“, sagte ich. „Na, zum Tag der Offenen Tür im Segelflugverein, ganz in der Nähe, das kucken wir uns mal an. Und Du kannst da bestimmt ´ne Wurscht essen …“. Damit kriegt sie mich immer, fast immer, wir also hin. War ´ne Menge los, und ´ne Menge Segelflieger war´n auch da. Und natürlich die dazugehörigen Segelflugzeuge, logo. Und ich aß meine Wurscht – leider.
„Mänsch“, rief meine Frau, „hier kannste mitfliegen, für 5 Euronen, das machen wir!“. „Du machst das …“, warf ich ein. „Nee, Du auch, los, sei keine …“. „Na, na, na, Vorsicht jetzt!“, mahnte ich an. Sie war die erste. Mit der Winde hochgezogen, huiiii und weg war se. Dann ich. Ein netter Pilot wies mich ein. „Büschen eng hier, die Beine vielleicht so …, ja, gut, und bitte anschnallen, hier, so, gut“. „Danke, Danke“, sagte ich, noch rosig. Die Beschleunigung beim Windenstart war nicht übel. Ich wünschte, mein Nissan könnte das auch, dachte ich so. Ach ja, einmal vor Unerbittlichem stehen, einmal wie ein Adler den Himmel zerteilen, schwerelos, der Sorgen enthoben, dem Alltag entkommen, mal raus aus der Kleinbürgerhölle … ahhh, Freiheit, wie ist dein Name?

Aber irgendwie war etwas anders. Der Pilot schraubte sich hoch, in engen kleinen Kreisen, wie Wilde-Maus-Fahren, nee, schlimmer als Wilde-Maus-Fahren. Und dann das Geknacke und Geknirsche! Nix mit lautlosem Dahingleiten! Das ganze Dinge ächzte und stöhnte, und wackelte und vibrierte. „Was machen wir?“, fragte ich an. „Wir suchen nach der Thermik, und wenn wir eine gefunden haben, dann geht´s bergauf!“, amüsierte sich der Mann vor mir. „Aha, und die Flügel  brechen auch vorher nicht ab, oder?“, konterte ich, schon etwas fahler. „Nö, nö, meistens nicht, meistens halten die schon“, erklärte der Pilot und schaute mal nach links, mal nach rechts, mal nach unten, mal nach oben, mal zu mir nach hinten. „Alles ok?“, wollte er wissen. „Jo, geht schon, hab vorhin´ne Wurscht gegessen, ich glaub, die war schlecht …“, teilte ich ihm mit und nun amüsierte ich mich über seinen Gesichtsausdruck. „Ist Ihnen nicht gut, also irgendwo liegen da Tüten … nehmen Sie sich doch mal eine … besser rechtzeitig als …“, er wirkte beunruhigt. Aber er schraubte und suchte weiter, immer rundherum, und rundherum, rechts herum, kleine beschissenen Kreise, und stöhnende Tragflächen, und die da unten wurden immer kleiner, und mir wurde immer … immer etwas schwindliger. War es Schwindel? Oder der Blutdruck? Wann war ich eigentlich zum letzten Check? Vielleicht hatte ich ja Zucker? Wie issis wohl, wenn man im Segelflugzeug einen Hörsturz kriegt, dachte ich, gibt´s da Ohrensausen? Aber bei dem Getöse hier oben würde ich mein eigenes Ohrensausen bestimmt gar nicht hören, überhören … und dann? „Schon was gefunden, thermisch, mein´ ich?“, knüpfte ich wieder an, „wie lange müssen wir denn noch … also, geht´s noch viel höher? Und runter dann auch wieder in diesen be…. , also in Kreisen … oder richtig wie sich das gehört?“.
 

„Kommt halt drauf an“, sagte der Cockpitmeister. „Ich hab letzte Woche meinen Looping-Schein gemacht – soll ich mal einen fliegen?“.
„Waaas? Jetzt? Einfach so? Und die Flügel? Die brechen doch ab … also, wie alt ist denn das Gerät überhaupt?“, ich war irritiert, versuchte Haltung zu bewahren, es misslang mir. „So acht Jahre alt, hab ich vom Kumpel übernommen, da bricht nix ab, keine Sorge“, sagte der Looping-Schein-Inhaber. „Nö, Sorgen mach ich mir nicht … was kommt denn nach „Sorgen“, also ich suche ein Wort … wie ist die Steigerung von „Sorgen“? Oder kann man das gar nicht mehr steigern? Sind wir am Limit, grammatikalisch? Nein, keinen Looping, meine Frau wartet bestimmt schon, da, da unten isse!“, stotterte ich, „vielleicht sollten wir zur Landung ansetzen. Wie landet man denn so ein Teil? Rutscht der übern Rasen, oder was?“, wollte ich wissen. „Jo, jo, der rutscht übern Rasen, keine Sorge, ist Ihnen noch schlecht?“. Der Mann fragte mich, ob mir schlecht wäre. Ich hatte gerade die absolut scheußlichsten Minuten meines Lebens hinter mir und wohl noch eine Minute vor mir, und der erkundigte sich nach meinem Befinden. Nett, klar, er konnte ja nix dafür. Meine Frau war schuld … die wollte ja unbedingt fliegen!

Wie wir nun gelandet sind, weiß ich nicht, irgendwie ging´s dann runter und Zack und Rutsch und Klappe auf und Wiedersehn und … da stand sie: Meine Frau. Euphorisiert! „Na, war das nicht irre? Wir sind einen Looping geflogen – ihr auch? Das ist ja ein irres Feeling, das sollten wir auch machen – wir machen einen Flugschein …“. „Liebling, ich will ins Bett, Du fährst!“, sagte ich.

16.2.08 20:02
 


bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Sockenanja (2.3.08 14:09)
*lach* - was für ein Erlebnis - man fühlt richtig mit dir mit ;-).

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