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Charaktersache

Wer wie ich im Jahre 1961, Ostern war´s, eingeschult wurde, der musste Position beziehen, von Anfang an, hart und klar und unerbittlich. Schon mit sechse stand man vor einer der folgenschwersten Entscheidungen seines späteren Lebens: Pelikan oder Geha. Während der blaue Füller der Firma Pelikan nicht mehr war, als ein plastikgewordener Abklatsch des mittelalterlichen Griffels, so war der grüne von Geha, ausgestattet mit geriffelten Griffmulden für Daumen und Zeigefinger, eine Innovation erster Güte. Auch wenn´s das Wort „Innovation“ damals im gemeinen Sprachgebrauch noch gar nicht gab. Den Geha benutzende Erstklässler hatten im Gegensatz zu den „Pelikanen“ schon mit sechs Lenzen einen ungleich weiteren Horizont, eine Weitsicht tief in die Zukunft hinein, und einen Stil. Ja, Stil hatten wir Gehaner, ein Hauch aristokratischer Noblesse umgab uns, keine Frage, und wir wussten das genau!

Die nächste Entscheidung war dann mit zehn zu treffen, wieder etwas Epochales: Trix oder Märklin. Modelleisenbahner mit einem über den Tag hinausgehenden Anspruch an Technik und Ästhetik verachteten das integrierte Schotterimitat der Märklin Schiene, pfui! Trix war der Name einer fortschrittlichen Nachkriegsgesellschaft, Trix, knapp, einprägsam, einfach Trix, trixi, trixissimo. Es gab hier noch eine weitere Kategorie zehnjähriger Eisenbahner, eine Kategorie nicht Fisch nicht Fleisch, in etwa FDP, westerwellisch sozusagen, ekelhaft: Fleischmann. Wer über die Größe der Entscheidung nicht verfügte, damals schon nicht verfügte, der ließ sich eine Fleischmann-Bahn schenken. Niemals wurde ein Fleischmann zum Sportwart gewählt, niemals!

Nach der Konfirmation kamen weitere Entscheidungen auf den Pubertierenden zu, Entscheidungen ungeahnten Ausmaßes, Entscheidungen wie sie nie zuvor getroffen werden mussten – und vielleicht nie wieder danach: Beatles oder Stones, McCartney oder Jagger. Man stand mit dem Rücken an der Wand, kein „Sowohl-als-auch“ galt hier, nein, es ging um .. ja, eigentlich ging es um Alles! Wer hier versagte, wer hier zwischen den Fronten herumtappte oder zu desertieren versuchte, war geliefert, begraben, verscharrt auf Immer-und-Ewig, AUS! Es gab später Vergleichbares, z.B. Uriah Heep oder Tremeloes, Lady in Black oder Hello Buddy. Auch hier trennten sich die Geister, aber nicht derart drastisch wie zwischen Stones und Beatles. Eher wie die Charaktersache: Flipper oder Tischfußball. Oder vielleicht noch: Cola oder Sinalco. Das heutzutage übliche „Mal-hier-mal-da“ zwischen McDonald´s und Burger King hätte für uns damals das Stigma von Verrat gehabt – Schlückchen Cola hier, ein Strohhälmchen voll Sinalco dort, UNDENKBAR! Aber in einer Zeit von Protestwählern und sonstiger Demokratieschänder wundert man sich ja über gar nix mehr.

Die letzte Entscheidung der Jugend bahnte sich mit 18 an: Ford Capri oder Opel Manta. Im Gegensatz zu den früheren Tragweiten kamen hier die Mädels mit ins Boot – es ging um nicht weniger als um den Erhalt der Art! Manta-Ehen sollen länger gehalten haben, sagt man, ich weiß es nicht.

23.2.08 14:39
 


bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Entle (23.2.08 16:28)
Ich vermisse: Adidas oder Puma !?

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