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Igel Ost

Wir waren mal wieder ein paar Tage im Osten - in den teueren Ländern, wie Dieter Hildebrandt sich so humorig wie zutreffend ausdrückte. Das „Grüne Gewölbe“ gehört zu den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden und zu sehen gibt´s da die privat gesammelten Schätze von „August dem Starken“. Eine ungeheuerliche Wunderkammer voller Gold und Elfenbein und Edelsteinen - man kann es nicht beschreiben, es ist unbeschreiblich. Das „Grüne Gewölbe“ war also nach der Restaurierung wiedereröffnet worden und wir also nix wie hin und rein.

Nach drei Stunden erlosch dann unsere Aufnahmefähigkeit zur Gänze. Also raus und an der Elbe mit den Hunden langschlendern – das tat gut!  „Ah“, sagte meine Frau, „kuck, ein toter Igel“. „Von wegen“, sagte ich, „der lebt noch“. Ein mittelgroßes Exemplar mit einer kleineren Verletzung, die seinen apathischen Zustand nicht rechtfertigte, lag da im Sterben. In solchen Fällen steht uns die Option des Ignorierens meistens nicht zur Verfügung, hier auch nicht. Mit dem kraftlos aufgerollten Igelchen auf dem Schoß meiner neben mir sitzenden Gattin fuhren wir fast anderthalb Stunden durch Dresden, wir irrten durch Dresden, denn an einem Sonntag Nachmittag als Ortsfremde den notdiensthabenden Tierarzt zu finden, ist nicht unproblematisch. Aber wir fanden ihn! Und Igelfachmann war er zufällig auch noch, Glück im Unglück. Kurze, aber sorgfältige Untersuchung, eine Aufbauspritze und eine gegen Innenparasiten. „Der kommt jetzt unter die Rotlichtlampe, wenn er morgen Zeichen der Erholung zeigt, wird er aufgepeppelt. Wenn nicht … eingeschläfert, Knochenchirurgie am Igel mach ich nicht“.

Der Mann hatte seine Grundsätze. Der ehemalige Staat ja auch. Etwas gewöhnungsbedürftig war uns seine Art. Etwas zwischen hochgehaltenem Standesbewusstsein und anachronistischer Arroganz der Macht. Tatsächlich war er nicht mehr als ein studierter Dienstleister, der davon lebt, dass Leute mit kranken Tieren zu ihm kommen. Und ihn in der Hoffnung auf Genesung des „kranken Lieblings“ angemessen bezahlen. Diese Tatsache war an ihm offensichtlich vorbeigegangen, ganz sozialistisch, versteht sich.  Aber hier ging es nicht um Überheblichkeiten oder gesellschaftspolitischen Unfug vergangener Zeiten oder gar um Deutschland – nein, hier ging es um Wichtigeres, wirklich Wichtiges, es ging um das Leben dieses kleinen Igels!

Der Doktor wollte kein Geld, noch zwei Sätze über Norddeutschland (von wo wir kommen), Händeschütteln und das war´s. Mehr konnten wir für das Igelchen nicht tun, es war wenig genug.

Auf dem Heimweg kamen wir an einem Graffiti vorbei: "Wir sind das Volk. Wir sind ein Volk. Wir sind ein dummes Volk. Ich bin Volker".

10.3.08 18:24
 


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